Gefällt mir Nairobi?


Nun, die Frage ist sicher nicht einfach zu beantworten. Was immer gut ist, eine Stadt von oben zu betrachten, ganz besonders, wenn man darin lebt. Es ist ein herrlich sonniger Sonntagmorgen, und wir sind auf dem Weg ins Kenyatta International Conference Center, wo wir genau das zu tun beabsichtigen. Um diese Zeit und bei diesem Wetter finde ich Nairobi schön. Der Verkehr ist vernichtend gering, das Licht verleiht sogar an und für sich hässlichen Plätzen wie den Roundabouts in der City einen fast freundlichen Touch. Fährt man hier aber bei Regen - oder es kann auch einfach ein gewöhnlicher grauer Himmel sein - beelendet es mich zu sehen, wie sich Besitzlose mit ihren jämmerlichen Habseligkeiten den Fahrspuren entlang schleppen, Kinder an Lösungsmitteln schnüffeln, junge Frauen mit Babies betteln oder Händler verzweifelt versuchen, etwas zu verkaufen. Sogar neugeborene Katzen in Kartonschachteln gehören zum Angebot. Ja, an den Strassenrändern oder von den Hawkern wird alles präsentiert.
Nun stehen wir aber auf dem Dach des Conference Towers und Nairobi liegt uns zu Füssen. Uhuru Park, Rathaus und Parlamentsgebäude genau vor der Nase. Aus dieser Distanz und von oben betrachtet hat die Stadt durchaus Charme. Nairobi wird auch ‚the green city in the sun’ genannt, und dieses Grün und all die Sonnenstunden machen den Unterschied zu anderen Grossstädten, sind augenfällig und erwähnenswert. Was ich an anderer Stelle ja schon mehrfach getan habe. Üppig sind besonders die Aussenbezirke, all die grosszügigen Anwesen mit ihren parkähnlichen Gärten. Gefallen hat mir das River Café oder immer noch der Karura Forest, der Nairobi Nationalpark und die Kigwa Farm. Oder, dass es selbst in der Stadt noch Tiere gibt. Wie die riesigen Marabus auf den Akazien oder die Zebras, die wir auf den Mittelstreifen eines Highways entdeckt haben. Die Kuh- und Ziegenherden, die Runda queren.

Nairobi ist das Wirtschafts- und Kommunikationszentrum Ostafrikas und nebst New York, Wien und Genf eine der vier Städte mit einem Büro der Vereinten Nationen. Die UN-Avenue, gesäumt von Eukalyptus, gehört sicherlich zu den netteren Strassen der Stadt. Mehr als die Hälfte der nairobischen Einwohner lebt aber in Slums, wo Cholera und Typhus vorkommen, was einem völlig anderen Bild entspricht.
Und schlimm ist vor allem der Verkehr in der City, in dem man rasch für Stunden stecken bleibt und wo jeden Tag Dutzende Menschen verletzt werden oder sterben.  
Eine Stadt so voller Gegensätze, dass es schwierig ist, sich ein Urteil zu bilden. Nebst den wunderbaren Plätzen gibt es ebenso viele ganz schreckliche. Auf unserer Seite, mit unserem Geld und unseren Mitteln, ist sie gefällig.
Aber wir sind in der Minderheit. Für den weit grösseren Teil ist sie hässlich genug, was man nicht vergessen kann. Denn das Leben findet hier nicht in den Häusern oder Wohnungen statt, sondern pulsiert überall. Und damit werde auch ich oft überraschend mit allem Möglichen konfrontiert. Die Strassen ähneln Wimmelbildern auf denen stets Neues entdeckt werden und ich niemals alles erfassen kann. Für gewöhnlich gefällt mir dieses fremde Mosaik der schillernden Eindrücke, selbst wenn sie nicht nur schön sind. Also kann ich die Titelfrage wohl mit ja beantworten.

Tutaonana
Eure African queen
Irène





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